Gott und der Garten
Die Bibel beginnt nicht mit einem Tempel.
Nicht mit einer Kirche.
Nicht mit einer Konferenz.
Nicht mit einem Meetingraum.
Sie beginnt in einem Garten.
Ich mag dieses Bild.
Der erste Ort der Begegnung zwischen Gott und Mensch ist kein Leistungsraum.
Als Adam die Augen öffnet, ist bereits alles da. Der Garten wartet auf ihn. Die Bäume tragen Früchte. Die Flüsse fließen. Die Tiere leben bereits dort. Selbst der Auftrag, den Gott ihm später gibt, bezieht sich auf etwas, das längst existiert.
Gott hätte die Geschichte auch anders wählen können.
Er hätte den Menschen auf eine unbebaute Fläche stellen und sagen können: “Hier hast du ein Stück Land. Zeig, was in dir steckt.”
Das wäre eine Geschichte gewesen, die wir vermutlich sofort verstanden hätten. Denn genau so denken wir häufig über das Leben.
Erst etwas leisten.
Erst etwas aufbauen.
Erst etwas vorweisen.
Dann hast du dir deinen Platz verdient.
Die Bibel beginnt mit einer völlig anderen Reihenfolge.
Adam arbeitet nicht, um in den Garten zu kommen.
Ich finde diesen Gedanken so passend.
Denn wir übertragen das Leistungsprinzip auf fast jeden Bereich unseres Lebens.
Wir glauben, unseren Wert beweisen zu müssen.
Wir wollen uns Anerkennung erarbeiten, Beziehungen absichern und uns einen Platz verdienen.
Selbst vor Gott tragen viele Menschen noch den Gedanken mit sich herum, sie müssten erst gut genug werden.
Die ersten Seiten der Bibel erzählen aber eine andere Geschichte.
Zuerst bereitet Gott den Ort vor, dann setzt er den Menschen hinein.
Erst danach folgt der Auftrag.
Darin liegt eine der ersten Wahrheiten, die die Bibel über den Menschen erzählt:
Unser Platz bei Gott beginnt nicht mit dem, was wir leisten. Er beginnt mit dem, was Gott bereits für uns getan hat.
Deshalb beginnt die Geschichte nicht auf einer Baustelle.
Sondern in einem Garten.
Erst Anerkennung, dann Leistung.
Erst Ruhe, dann Erfolg.
